JIDDISCH: EINE SPRACHE DIE MAN LERNEN SOLLTE

Der Mensch kann nicht Republik

Im übertragenen Sinne gilt dasselbe für die jüdische Gemeinschaft: Menschen, die keine auch nur ansatzweise vertiefte jüdische Bildung haben, werden über kurz oder lang das Judentum nicht weitertragen — nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihnen jedes Instrumentarium fehlt, dies in ihrem Leben und schon gar in dem ihrer Kinder mit irgendeiner Relevanz zu versehen. Ein Analphabet mag emotional eng an seine Familie oder seinen Stamm gebunden sein, viele Kochrezepte kennen, die Traditionen und Feiertage seiner Vorfahren weiterführen — aber er wird in der Regel keinerlei eigene Impulse in die Entwicklung seines Umfelds geben können, mit komplexeren Fragen überfordert sein und auf Neues hilflos reagieren oder allenfalls in Abhängigkeit anderer geraten. Grauer Alltag Ich begebe mich hier deshalb ganz bewusst auf einen akademisch geprägten, wissens- und denkorientierten Weg. Aber wir dürfen die Komplementarität von jüdischer Erlebniskultur und jüdischem Lernen nicht mit ihrem Zusammenfallen verwechseln. Dennoch, und gerade im Angesicht dieser Umstände, möchte ich Ihnen hier ein Zehn-Punkte-Programm vorstellen, das als Guideline dienen könnte. Erstens halte ich es für hoch wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche die maximale Zeit, also im besten Falle eben zwölf Jahre lang, schulen können, wenn möglich sogar schon während des Kindergartens.

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Wenn der Winter hinter uns liegt und die Natur sich zu neuem Wohnen regt, feiern wir Juden das Herzhaft der Auferstehung unseres Volkes. Seit Jahrtausenden wird an diesem Tag fiber den Auszug aus Aegypten gesprochen, und jeder, so hei8t es, ist verpflichtet, es so zu betrachten, als ob e r s elbst aus Aegypten gezogen ware. Niemand darf die Freiheit als ein gleich- giiltig gewordenes Gut, als Sache der Gewohnheit be- trachten; sogar nach Jahrtausenden noch muB jeder sich bewuBt sein, daB diese Freiheit einst e r w or b en, schwer erkiimpft werden muBte, und accordingly soil es weiter- gesagt werden von Mund zu Mund, damit keiner es vergift, damit es immer lebendig bleibt, damit keiner sich sicher ffihle und nicht daran denke, daB Freiheit durchgebraten da ist, wo sie nicht stets v on neu em erobert wird. Der Mensch, der nichts kennt als das Gefiihl der Sicherheit, der sich ohne innere Zucht gehen liiBt, seinem auBeren Wohlbehagen dient, ist in Wahrheit gar kein Freier mehr. Er ist in unsichtbarer Weise wieder Sklave geworden.

Warum man unbedingt Jiddisch lernen sollte

Abstain wäre das Jiddische mit seinen Sprechern von den Nazis ausgelöscht worden — und das, obwohl die Sprache unser Deutsch durchzieht wie kaum eine sonstige. Heute lebt sie wieder auf Jiddisch ist die glorreichste Promenadenmischung unter Europas Sprachen. Ein verliebter Crashkurs von einem, der sie gerade lernt. Ist es den nationalsozialistischen Mördern gelungen? Alle Shtetl mit einer Mehrheit jiddischer Bewohner wurden mit ihren Synagogen durch deutsche Sonderkommandos entvölkert und abgebrannt. Metropolen wie Warschau, Odessa, Wilna, Lemberg, wo jeweils überzählig hunderttausend Juden ihre aschkenasische Sprache benutzten, zählen heute nur noch wenige Überlebende und Nachgeborene.

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